Die Spanische Hofreitschule zeigt, was sie kann.

Schon seit mehr als 430 Jahren existiert die Spanische Hofreitschule zu Wien. Doch erst seit dem 19. Jahrhundert präsentiert sie sich so wie wir sie heute kennen. Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts war es nicht üblich die ‚Wiener Reut-Schul‘ hervorzuheben. Zum einen war eine Reitschule damals eine selbstverständliche höfische Einrichtung. Zum anderen waren allein der Kaiser höchstpersönlich und sein Oberstallmeister die Repräsentanten der Reitkultur des Wiener Hofes.

Heute tut sich die Spanische Hofreitschule Wiens hervor als die weltweit älteste, wenn nicht einzige Hofreitschule, welche die klassische Reitkunst so solch einer reinen Form lehrt und pflegt. Bis heute hat sie ihren barocken wie kaiserlichen und königlichen Glanz bewahrt. Auf Tour muss zwar auf die Kulisse der populären Winterreitschule verzichtet werden. Doch versprühen die schönen Pferde mit der Eleganz ihrer Bewegungsabläufe, wie die Uniformen der Reiter so viel Exklusivität, dass die genaue Umgebung keine Rolle mehr spielt.

Die Spanische Hofreitschule zu Wien lebt die Renaissancetradition der Hohen Schule bis heute und pflegt diese unverändert weiter. So stimmen dementsprechend auch das Tourneeprogramm und die originalen Wiener Vorfügungen nahezu überein. Die Kunst der klassischen Reitkunst besteht darin, die natürlichen Bewegungsveranlagungen der schönen Huftiere zu studieren und durch gezieltes Training zu optimieren, indem man ein Höchstmaß an Eleganz in die Bewegungsabläufe der Huftiere infiltriert. Allein die Ausbildung der Reiter nimmt im Schnitt zehn Jahre in Anspruch und erfordert viel Talent, verlangt durch ihre Komplexität viel Ausdauer ab und setzt eine überaus große Liebe zu Pferden voraus. Nur so ist es möglich, den Lipizzaner-Hengsten das beizubringen, was sie schon so oft auf Tournee zeigten und womit sie bereits die Welt begeisterten: Die perfekte Vorführung der Gangarten der Pferde und Touren der Hohen Schule stellen dabei den Anfang dar. Die Kunst der Pferde setzt sich dann im Synchrongalopp, im ‚Pas de Deux‘ zu den musikalischen Tönen Wolfgang Amadeus Mozarts fort. Weiter lassen sich die Eleganz der Tiere bei der ‚Arbeit an der Hand‘ sowie ‚Am langen Zügel‘ bewundern, bevor das über 100-minütige Programm mit einer zwanzigminütigen ‚Schulquadrille‘ einen gebührenden Abschluss findet.

Seit 1925  führt die Spanische Hofreitschule zu Wien immer wieder ihre Tournee in Deutschland durch. Im Mai 2009 kam sie das 50. Mal in die Bundesrepublik Deutschland und veranschaulichte dem begeisterten Publikum die Harmonie und äußerst starke Verbundenheit zwischen Reiter und Pferd. Höchste Präzision und eine Choreografie, die seit Jahrhunderten nahezu nicht verändert wurde, führen zu einem vollendeten Anblick höchster Reitkunst.

Die Preise für die Tickets pendelten sich dabei stets in einem sehr humanen Rahmen zwischen etwa 39 und 79 Euro ein. Auch VIP Logen kann man für diesen besonderen Anlass stets mieten. Die Lipizzaner sind zwar für ihre weiße Farbe bekannt und geliebt, doch werden seit jeher in Wien stets auch ein bis zwei dunkle Lipizzaner-Hengste aufgestellt. Diese sind aufgrund der genetischen Dominanz der weißen Farbe äußerst selten und gelten entsprechend als ‚Glücksbringer‘ der Spanischen Reitschule. Die zuletzt in Deutschland getourten Lipizzaner-Hengste wiesen übrigens zum Zeitpunkt der Tournee ein Alter zwischen 10 und 22 Jahren auf. Immerhin dauert nicht nur die Ausbildung der Reiter vergleichsweise lang. Auch den Pferden selbst wird natürlich ein ausgiebiges Training abverlangt.

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